köln hat(te) das liquid sky, berlin hat das nbi, mannheim hat den kreislauf. das was man sich immer gewünscht hatte, wurde vor 3 jahren wahr: ein forum zum hören, ein wohnzimmer für gleichgesinnte, eine bühne für ungehörtes - der kreislauf war geboren. von den anfängen im ms connexion bis zur jetzigen heimat im lagerhaus sind uns vielfältige frequenzen zu ohren gekommen. ich kenne kein forum, das so offen, so freigeistig und herzlich ist. das von mogwai jeden montag gezauberte ambiente in mannheim bietet musikgenuß von leichtigkeit bis hochverkopft. wie man das unter einen hut bekommt wollte ich von mogwai genauer wissen:
ouk: bald feierst du mit kreislauf deinen 3-jährigen geburtstag. wie kamst du auf die idee einen chillout club zu machen?mogwai: tja, da war nicht nur ich dran schuld. bei der zigarettenpause in der küche kam tom (anfänglicher kreislauf mitveranstalter) und mir die idee einfach mal was anderes zu machen. gemütlich sollte es sein. was lag da näher als einen ambient-club zu installieren. unser know-how hatten wr ja bereits vom connexion und dann ging alles schlag auf schlag.
ouk: welche stilistischen schwerpunkte legst du bei der auswahl der djs und liveacts?mogwai: der schwerpunkt - falls man das so sagen kann - ist immer "musik zum sitzen" - oder wie ich immer so schön zu scherzen pflege - musik für raucher.
ouk: es herrscht eine enorme bandbreite vor. mal gibts bei euch den "in-den-sesseldrückenden" easy drum´n´bass, mal die chill-klassiker der alten schule, mal kryptofunk, mal total deeper knispel-dub, mal trip hop und mal einen elektro-abend. habt ihr da stammpublikum oder ist die besucherschar prinzipiell offener als anderswo? oder kommen die in erster linie zum chillen und nicht zum musikhören?mogwai: klar, stammgäste haben wir eine menge. außerdem haben die zuhörer auch ihre lieblings-djs. aber im großen und ganzen ist es doch schon so, dass die gäste zum chillen und zuhören kommen. dadurch, dass wir ja ein "ambient"-club sind, ist diese bandbreite von vornherein so gewollt und gehört auch zum konzept. das scheint offenbar bei anderen club so nicht zu funktionieren. zumindest kenne ich sonst kaum einen club der seine klientel mit der musik zu erziehen versucht. musik ist mehr als eine aneinanderreichung von geräuschen und auf einen stil können wir uns beim besten willen nicht festlegen.
ouk: eure sofas sind schon so etwas wie eine berühmtheit und werden gerne von anderen veranstaltern für deren chilloutfloors entführt. warum sofas? man könnte doch auch - wie in einem café - das ganze mit tischen und stühlen ausstatten.mogwai: das machen wir donnerstags im café odeon (g7/10, mannheim), aber da kommt dann doch nie so eine entspannte atmosphäre auf wie im club. das sofa ist das wichtigste teil nach der pa und da lassen wir uns auf gar keine kompromisse ein. wieso auch, ein sofa ist mindestens eintausendmal gemütlicher wie so ein gepolsterter stuhl im café. außerdem ist die pa im club besser als im café und es gibt einfach gesagt schon einen unterschied zwischen "chillen" und "loungen".
ouk: wie groß siehst du die notwendigkeit, einen raum zum aktiven hören zu haben? außerhalb des üblichen clubkontextes hat elektronische musik jenseits des 4/4-takts ja kaum eine chance gehört zu werden. schließlich ist im kreislauf montags der andrang manchmal größer als in so manchem "ballerschuppen" am wochenende.mogwai: das ist ein ganz wichtiger punkt. irgendwann mußt du dich entscheiden, ob du etwas kommerzielles machst. ob du das spielst was die leute hören wollen, oder ob du lieber "dein ding" durchziehst. warum gerade kreislauf so einen erfolg hat, mag ich selbst nicht beurteilen können, aber mir drängt sich der verdacht auf, dass es eventuell doch einen riesigen bedarf an neuzeitlicher musik, jenseits des mainstream gibt. zudem gehören wir nicht zu den lehrern mit erhobenen zeigefinger. wir machen das was wir wollen und was uns spass macht. da ist das wöchentliche sofa-schleppen nur reine nebensache. die belohnung kommt in form der resonanz.
ouk: schildere deine drei lieblingserlebnisse beim auflegen.mogwai: :-)) da kommt schon einiges zusammen. das dümmste was dir einer im chillout sagen kann, ist, dass du mal ein brett spielen sollst. ansonsten hält es sich schon in grenzen. ich spiele ja auch nicht was die leute hören wollen, sondern das was sie hören sollen. schade finde ich es immer wenn jemand nach papers fragt, mich aber dann wenn es fertig ist nicht mal dran ziehen lässt. ganz besonders freue ich mich immer, wenn es den leuten im nachhinein auch gefallen hat, sie sich für die musik bedanken oder anderes positives feedback kommt.
ok.hier meine drei favourites:
1. "spiel doch mal ein brett" (karlstorbahnhof heidelberg, herbs´n spices)
spiel doch mal was schnelleres (radio sunshine, runningman)
2. "jetzt bin ich den ganzen abend im chillout versackt und hab sonst nix von der party mitbekommen." (ms connexion mannheim, future)
3. "wieso ist jetzt schon feierabend?" (art4u limburg/lahn, morgens um 9 uhr nach 12 stunden auflegen)
ouk: hat der kreislauf neben den möglichkeiten des gepflegten zuhörens und der entspannung auch eine kommunikative komponente? gerade z. b. für die musikschaffenden der region?mogwai: kreislauf ist kommunikation. das ist der sinn der sache - sich gegenseitig auszutauschen und auch mal neue ideen zu verwirklichen. dadurch, dass wir "musik zum sitzen" anbieten, ist es folglich auch so, dass die besucher die möglichkeit haben sich zu unterhalten, ohne wie im club üblich schreien zu müssen. dass so viele musikschaffende sich dieser plattform annehmen, ist wahrscheinlich die folge unserer offenheit für alle dinge auch musikalischer natur. in welchem club kannst du das? zumindest in keinem in dem eine tanzfläche ist. es sei denn, dir macht es nichts aus, dass keiner tanzt. die kommunikative ebene wollen wir auch mit unserer web-extension weiter fördern. da ist einiges geplant.
ouk: nachdem die love parade zu einer mischung aus ballermann und karneval verkommen ist und man sich für die worte techno und rave schämen muß: ist der kreislauf quasi eine arche, in der man anspruchsvolle musik hören kann ohne trillerpfeifen und plateauxboots?mogwai: das muss jeder für sich entscheiden, was er für anspruchsvoll hält. da will ich auch niemandem rein reden. dafür verlangen wir ja auch den unkostenbeitrag von 5 dm, damit sich die menschen vorher entscheiden können ob sie in den kreislauf kommen möchten oder nicht, aber die schuhe sind glaube ich so ziemlich das letzte wo ich hinschaue. ich bin ja kein fussfetischist und sneaker-sex ist auch nichts für mich. solange sie bequem sind habe ich nichts dagegen.
ouk: viele clubs und veranstalter, die mit grossem marketingaufwand und den "grossen" djs künstlich die "rave"-atmosphäre einkaufen und verkaufen wollen, tuns ich oftmals schwer. wie siehst du die ausgehkultur heute? worauf legen die leute wert (stichwort "lounging" - kommunikation statt extasy)?mogwai: wenn ich das wüßte... das ist ein wirklich schweres thema, das scheinbar keiner so richtig zu beantworten weiss. wieso sonst floppen so viele veranstaltungen? "ausgehkultur" - gibt es das noch? gabe es das jemals? wenn ich weggehe will ich eine gut organisierte veranstaltung, coole musik und gescheite leute um mich herum und natürlich ein sofa wo ich mich reindrücken kann.
ouk: welche drei kreislauf-montage sind dir in den letzen drei jahren im gedächtnis hängengeblieben? mogwai: das wäre einmal unser eröffnungs-montag am 1. september 1997 mit dem live-act tuna und mir als dj. einen solchen erfolg hätte ich mir nie träumen lassen. dann wäre da noch unser erster geburtstag am 31.08. und 01.09.1998 an dem wir in diesem klitzekleinen club im jungbusch über 200 gäste hatten und natürlich den zweiten geburtstag am 01.09.1999 (...sind jetzt nicht alles montage, aber kreislauf gibt es ja nicht nur montags...) in den drei jahren hat sich so viel ereignet was eigentlich der rede wert ist. so waren wir ja schon bei time und big warp, der museumsnacht sowie beim cooperativen-temporären clubprojekt dabei. ganz besonders freute mich das dabeisein bei diversen future-events oder im jugendzentrum in selbstverwaltung.
][roland390
© 2000
ouk (10/00)Labels: 2000, Review